SPORTEGRATION verurteilt die aktuelle Asylpolitik
Triggerwarnung: Suizid
Wir gedenken an unseren Teilnehmer Davy, der sich am 6. April in der Asylunterkunft Triemli das Leben nahm. Davy nahm regelmässig an unserem Kursangebot teil und wurde stets als ein sehr hilfsbereiter sowie wissbegieriger Teilnehmer wahrgenommen.
Dieser tragische Verlust zeigt ein weiteres Mal die strukturellen Probleme der Schweizer Asylpolitik auf! Abschreckung, Isolation und integrative Hürden sind normaler Zustand in einem der reichsten Ländern. Für Menschen mit Fluchterfahrung bedeutet das Ankommen in der Schweiz nicht unmittelbar Sicherheit oder Perspektive, sondern ein Leben im Stillstand.
Nach der Ankunft in der Schweiz folgt häufig kein unmittelbarer Fortschritt in der Lebenssituation der Menschen mit Fluchterfahrung. Im Gegenteil, sie werden in verschiedenen Aspekten isoliert. Geografisch befinden sich Asylunterkünfte häufig an abgelegenen Standorten, fernab von gesellschaftlichem Leben. Asylsuchende sowie vorläufig Aufgenommene werden dabei bewusst von der einheimischen Gesellschaft segregiert. Die geografische Isolation wird durch die mangelnde finanzielle Unterstützung weiter verstärkt. Mit minimalen Mitteln ist es kaum möglich, am sozialen Leben teilzunehmen, Mobilität zu finanzieren oder sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen. In vielen Fällen dürfen sich Asylsuchende und vorläufig Aufgenommene zudem nur in einem begrenzten Radius bewegen. Integration wird so strukturell erschwert, wenn nicht gar verunmöglicht.
Der Alltag vieler Menschen mit Fluchterfahrung ist geprägt von Unsicherheit. Ein unklarer oder vorübergehender Aufenthaltsstatus bedeutet fehlende Planungssicherheit. Entscheidungen über die eigene Zukunft liegen oft monatelang oder gar jahrelang im Unklaren. Hinzu kommen ständige Transfers zwischen Unterkünften, die soziale Beziehungen erschweren oder ganz zerstören.
Ein weiteres strukturelles Problem ist das Arbeitsverbot sowie der stark eingeschränkte Zugang zum Arbeitsmarkt. Wer nicht arbeiten darf, kann sich weder finanziell unabhängig machen noch aktiv zur Gesellschaft beitragen. Integration kann ohne Jobs nie erreicht werden, da dadurch ein Schlüssel für nachhaltige Integration ausgeschlossen wird.
Die Folgen dieser Umstände sind gravierend: Einsamkeit, Perspektivlosigkeit und psychische Belastungen nehmen zu. Fehlende Privatsphäre in Unterkünften verstärkt den Druck zusätzlich. Gleichzeitig berichten viele Menschen mit Fluchterfahrung von Rassismus im Alltag sowie von unzureichender medizinischer und insbesondere psychologischer Versorgung. Gerade bei Menschen mit Fluchterfahrung, die häufig traumatische Erlebnisse verarbeiten müssen, ist dies besonders problematisch.
Der traurige Verlust von Davy wirft ein weiteres Mal die Frage auf, welche Rolle Integration in der aktuellen Asylpolitik tatsächlich spielt. Denn klar ist, dass Integration auch unter schwierigen Bedingungen möglich ist. Zivilgesellschaftliches Engagement beweist dies immer wieder. Doch es kann strukturelle Probleme nicht allein lösen. Wenn politische Rahmenbedingungen Integration erschweren, bleiben viele Potenziale ungenutzt, sowohl für die Betroffenen als auch für die Gesellschaft insgesamt.
Aktuell herrscht im Asylwesen eine Abschreckungsstrategie. Leidtragende dieser Strategie sind aber die Menschen mit Fluchterfahrung, die bereits hier sind. Denn sie dienen als Beispiel. Das darf so aber nicht sein! Es geht häufig Vergessen, dass hinter jedem Asylgesuch sowie vorläufig Aufgenommenen ein Individuum mit eigener Geschichte, mit Träumen, Hoffnungen sowie Traumata steht.
Eine nachhaltige Asylpolitik bedingt also ein Umdenken der Politik. Sie muss weg von der reinen Verwaltung und Abschreckung kommen und Menschen als das sehen, was sie sind: Individuen mit Fähigkeiten, Motivation, Traumata sowie dem Wunsch, sich einzubringen. Die grundlegende Frage lautet daher nicht, ob Integration möglich ist, sondern ob sie politisch gewollt wird!
